Netto-Null im Schwerverkehr: Cellcentric bekommt mit Toyota globalen Wachstumspartner

01.04.2026


Toyota Motor will in das Brennstoffzellen-Joint-Venture Cellcentric von Daimler Truck und der Volvo Group einsteigen und damit eine der prominentesten Allianzen in der Wasserstoffmobilität weiter ausbauen. Eine nun unterzeichnete unverbindliche Absichtserklärung sieht vor, dass der japanische Autokonzern im Zuge einer Kapitalerhöhung bei Cellcentric investiert und als dritter, gleichberechtigter Partner an Bord kommt. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet Brennstoffzellensysteme insbesondere für schwere Nutzfahrzeuge und andere Heavy-Duty-Anwendungen.

Mit dem Einstieg von Toyota soll Cellcentric technologisch und kommerziell deutlich an Schlagkraft gewinnen. Die drei Konzerne betonen, dass Wasserstoff und Brennstoffzellen eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung des Transportsektors spielen und batterieelektrische Antriebe ergänzen sollen. Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström sprach von einem wichtigen Schritt, um Wasserstoff im Transport "zur Realität" zu machen, während Volvo-Group-CEO Martin Lundstedt den geplanten Schulterschluss als Signal für Kunden, Zulieferer und das gesamte Ökosystem wertete. Toyota-Präsident Koji Sato verwies auf mehr als 30 Jahre Brennstoffzellen-Entwicklung im Pkw-Bereich, die nun mit der Expertise von Cellcentric im Nutzfahrzeugsektor gebündelt werden soll.

Geplant ist zudem, dass Toyota gemeinsam mit Cellcentric die Entwicklung und Produktion von Einzelzellen – der Kernkomponente von Brennstoffzellensystemen – verantwortet. Ziel der Partner ist es, technologisch wettbewerbsfähige und kosteneffiziente Produkte zu realisieren, um Brennstoffzellenantriebe im Schwerlastverkehr in den Massenmarkt zu führen. Cellcentric soll dabei als eigenständiges und unabhängiges Unternehmen agieren. Außerhalb der Brennstoffzellenkooperation bleiben Daimler Truck, die Volvo Group und Toyota in ihren übrigen Geschäftsbereichen ausdrücklich Wettbewerber.

An der Börse rückten die Titel der beteiligten Konzerne in den Fokus, auch wenn der unmittelbare Kurseffekt begrenzt blieb. Im japanischen Handel schloss die Toyota-Aktie am Dienstag 1,92 Prozent schwächer bei 3.162 Yen. Die Unternehmen sehen die geplante Partnerschaft trotz kurzfristiger Marktbewegungen als langfristige strategische Investition in eine Wasserstoffwirtschaft, die insbesondere den Schwertransport auf dem Weg zu niedrigeren Emissionen unterstützen soll.

Other news

Iran-Konflikt legt Schwachstellen der deutschen Arzneimittelversorgung offen

05.04.2026


Die deutsche Pharmaindustrie warnt vor massiven Belastungen für die Arzneimittelversorgung, sollte der Krieg im Iran und die damit verbundene Blockade der Straße von Hormus länger anhalten. Besonders kritisch sei die drohende Knappheit von Helium und anderen chemischen Ausgangsstoffen, teilte der Branchenverband Pharma Deutschland mit. Deutschland sei bei Helium nahezu vollständig auf Importe angewiesen, die zu einem großen Teil über die strategisch wichtige Wasserstraße laufen.

„Der Iran-Krieg ist noch nicht in den Regalen der Apotheken angekommen. In den Laboren und Werken der deutschen Arzneimittelhersteller steigt jedoch die Sorge, je länger die Blockade der Straße von Hormus dauert“, sagte Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. Helium gilt der Branche zufolge als kritischer Querschnittsrohstoff, der quer durch die Produktion von Tabletten, Infusionen und modernen Biologika benötigt wird.

Besonders betroffen wären Qualitätskontrollen: Helium kommt in der Pharmaindustrie vor allem in analytischen Verfahren zum Einsatz. Wird das Gas knapp und deutlich teurer, geraten diese Prüfprozesse ins Stocken. „Dann können die Unternehmen die Arzneimittel nicht mehr im gewohnten Umfang freigeben – selbst wenn Wirkstoffe und Packmittel vorhanden sind“, warnte Brakmann. Eine kurzfristige Umstellung auf andere Gase oder alternative Methoden sei kaum möglich, nicht zuletzt wegen notwendiger behördlicher Genehmigungen.

Bereits jetzt meldet die Branche erste Auswirkungen entlang der Lieferketten. Genannt werden steigende Transport- und Energiekosten, fehlende oder teurere Packmittel wie Glasflaschen und Verschlüsse sowie höhere Preise für petrochemische Grundstoffe und Ethanol. Eine längerfristige Störung der Straße von Hormus würde die Versorgung nach Einschätzung des Verbands zusätzlich destabilisieren. „Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, drohen mittelfristig Engpässe insbesondere bei Arzneimitteln, deren Qualitätskontrolle von Helium abhängt“, sagte Brakmann.

Pharma Deutschland fordert daher, Helium als strategisch relevantes Gut für das Gesundheitswesen einzustufen und regulatorische Hürden für Umstellungsprozesse zu senken. Ziel sei es, Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen zu verringern und die Versorgungssicherheit auch im Fall anhaltender geopolitischer Spannungen zu stärken.