Klimaschutzprogramm 2026: Bundesregierung ringt um jede eingesparte Tonne CO₂

26.03.2026


Die Bundesregierung versucht mit einem neuen Klimaschutzprogramm, den Rückstand bei der Minderung von Treibhausgasen aufzuholen – doch Zweifel an der Tragfähigkeit des Plans lassen nicht lange auf sich warten. Das Kabinett in Berlin hat ein Paket mit 67 Maßnahmen beschlossen, das Deutschland zurück auf Kurs bringen soll, um die Klimaziele für 2030 und die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) spricht von einem „neuen Schub für den Klimaschutz“, der das Land zugleich unabhängiger von teuren und unsicheren Öl- und Gasimporten machen solle.

Deutschland hat sich vorgenommen, seine Emissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu senken und bis 2045 nicht mehr Treibhausgase auszustoßen, als wieder gespeichert werden können. Nach aktuellen Daten des Umweltbundesamts steuert das Land derzeit jedoch nur auf eine Minderung von 62,6 Prozent zu, was einer Lücke von 30 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten entspricht. Die Bundesregierung beruft sich in ihrem Programm allerdings noch auf ältere Berechnungen, die den zusätzlichen Bedarf lediglich bei rund zwei Prozentpunkten oder 25 Millionen Tonnen verorten – ein Unterschied, der die politische Debatte prägt.

Inhaltlich setzt das Klimaschutzprogramm auf einen Mix aus Ausbau erneuerbarer Energien, Unterstützung für neue Technologien und Stärkung natürlicher CO₂-Senken. Vorgesehen sind unter anderem 2000 zusätzliche Windräder, eine sozial gestaffelte Förderung für den Kauf von 800.000 Elektroautos sowie mehr Hilfen für die Industrie beim Umstieg auf moderne Klimatechnologien. Ergänzend sollen Mischwälder und wiedervernässte Moore als natürliche Speicher für Treibhausgase ausgebaut werden. In Summe sollen die 67 Maßnahmen bis 2030 laut Regierungsangaben 27,1 Millionen Tonnen beziehungsweise – nach anderen Angaben aus dem Umfeld des Umweltministeriums – 25 Millionen Tonnen zusätzlich einsparen.

Genau an diesen Annahmen setzt die Kritik an. Opposition, Klimaforscher, Umweltverbände und der unabhängige Expertenrat für Klimafragen beanstanden, dass zentrale Berechnungen auf nicht mehr aktuellen Daten beruhen und die tatsächliche Einsparlücke unterschätzen. Die jüngste Klimabilanz zeigt einen Bedarf von rund 30 Millionen Tonnen zusätzlicher Minderung, um das 65-Prozent-Ziel zu erreichen – mehr, als das Paket derzeit abdeckt. Schneider gibt sich dennoch zuversichtlich und verweist auf die politische Verantwortung Deutschlands, die zugesagten Ziele zu erfüllen. Ob die nun beschlossenen Maßnahmen reichen oder rasch nachgeschärft werden müssen, dürfte sich erst zeigen, wenn belastbare, aktualisierte Daten zur Wirkung des Programms vorliegen.

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Drehkreuz München: Lufthansa plant massiven Ausbau von Terminal 2

26.03.2026


Die Lufthansa richtet ihren Wachstumskurs im internationalen Verkehr deutlich auf München aus. Der Konzern will die Kapazität am dortigen Terminal 2 um bis zu zehn Millionen Passagiere pro Jahr erhöhen. Der Erweiterungsbau des von Lufthansa mitbetriebenen Terminals soll nach Angaben von Vorstandschef Carsten Spohr im Jahr 2035 in Betrieb gehen. Spohr kündigte die Pläne bei einem Festakt zum 100-jährigen Bestehen der größten deutschen Fluggesellschaft an. Zur Höhe der notwendigen Investitionen machte er vor mehreren hundert Gästen keine Angaben.

Die Kooperation zwischen Lufthansa und dem Flughafen München wird langfristig abgesichert. Das bestehende Gemeinschaftsunternehmen zum Betrieb von Terminal 2 soll nach den Worten von Spohr bis zum Jahr 2056 verlängert werden. München ist nach Frankfurt die zweite große Drehscheibe der Airline im internationalen Flugverkehr. Rund zwei Drittel der Passagiere dort sind Umsteiger, die von anderen Flughäfen kommen. Anders als am Frankfurter Flughafen ist Lufthansa in München Miteigentümerin und Mitbetreiberin von Terminal 2 und kann Planung und Betrieb damit stärker nach eigenen Vorstellungen ausrichten. Von dort starten und landen auch die Tochter- und Partnergesellschaften des Konzerns.

Spohr begründete den Ausbau mit der anhaltenden Dynamik des Luftverkehrs. Luftfahrt sei und bleibe eine Wachstumsbranche, sagte er. Bei der Eröffnung des Münchner Flughafens 1992 waren 14 Millionen Passagiere pro Jahr erwartet worden, tatsächlich wurden im vergangenen Jahr bereits mehr als 43 Millionen gezählt. Erste Überlegungen für einen Ausbau von Terminal 2 mit Platz für bis zu zehn Millionen zusätzliche Passagiere hatte es schon im vergangenen Jahrzehnt gegeben; diese Pläne waren während der Corona-Pandemie jedoch ausgesetzt worden.

Parallel zum Engagement der Lufthansa laufen am Standort weitere Ausbauprojekte. Noch vor der Inbetriebnahme des neuen Abschnitts von Terminal 2 soll in München ein Erweiterungsbau des nicht von Lufthansa genutzten Terminal 1 für bis zu sechs Millionen Passagiere jährlich eröffnet werden. Grenzen setzt dem Wachstum in München bislang, dass der Flughafen nur über zwei Start- und Landebahnen verfügt und keinen Fernbahnhof besitzt. Auch in Frankfurt gehen die Ausbaupläne weiter: Dort soll im April ein drittes Terminal mit einer Kapazität von bis zu 19 Millionen Passagieren pro Jahr in Betrieb gehen. Lufthansa hatte nach eigenen Angaben mit beiden großen deutschen Flughäfen Gespräche geführt, Frankfurt will seine Terminals jedoch weiter in Eigenregie betreiben.